Das Museum

 

Das Gebäude des Stadtmuseums in Lippstadt, ein stattliches verputztes Fachwerkgiebelhaus aus dem 17. Jahrhundert, welches im Wesentlichen im 18. Jahrhundert sein heutiges Aussehen erhielt, ist eines der schönsten erhaltenen Bürgerhäuser des Rokoko in Westfalen. Es steht nur einen Steinwurf weit westlich vom Turm der Großen Marienkirche – dazwischen eine in jüngerer Zeit architekturfrei gemachte Fläche, dem heutigen Marktplatz. Aus den „öffentlichen“ Daten der umliegenden Häuser ist abzuleiten, dass auch das Gebäude des städtischen Museums in der unmittelbaren Zeit nach dem dritten großen Stadtbrand 1656 entstanden ist.
Der für Lippstadt im 17. Jahrhundert unübliche repräsentative Wohnsitz wurde wohl vom Kommandanten der starken brandenburgischen Festung Lippstadt, Generalmajor Johann Ernst von Pöllnitz (1618 – 1684) bis zu seinem Tod bewohnt.
Anschließend wurde der Richter Conrad Rose, Angehöriger der alteingesessenen Lippstädter Patrizierfamilie, Eigentümer des Hauses, welches bis 1803 im Besitz der Erben blieb, ehe es der Amtmann und Senator Arnold Meuser erwarb. In der Zeit von 1801 bis 1803 bewohnte der progressive Schulreformer und Rektor des damaligen Lippstädter Gymnasiums, Dr. J.H.P. Seidenstücker (Lippstädter Kirchenstreit) das Haus. Die nächsten Besitzer waren von 1837-1863 der Kaufmann und Manufakturwarenhändler Friedrich Overbeck, von 1863 bis 1878 der Lippische Justizamtmann Carl Meyer und von 1878 bis 1920 der Lippstädter Bierbrauer Wilhelm Nies.
 
 
 
 
Zur Geschichte des Museums: 1903 war der Verein für Geschichte und Altertumskunde in der Stadt und im Kreis Lippstadt im Westfälischen Hof, Marktstraße 4, gegründet worden. 1906 wurde die Planung für ein Museum bereits in Angriff genommen, doch schon 1907 war das Projekt gescheitert. Ein zweiter Anlauf wurde von dem im Juni 1921 gegründeten Heimatbund unternommen und 1925 beschloss der Kreistag die Einrichtung eines Kreis-Heimatmuseums, zuerst in einer ehemaligen Zigarrenfabrik in der Lange Straße, 1927 dann in einigen Räumen des 1917 fertiggestellten und von Friedrich Ostendorf erbauten Kreishauses in der Spielplatzstraße. Der Einsatz des Vorsitzenden des Heimatbundes, Verleger Carl Laumanns, des Landrates Freiherr Raitz von Frentz sowie der übrigen Curatoriumsmitglieder hatte Erfolg – in vier Abteilungen waren nun kirchliche Kunst, historische Objekte, kuturwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Exponate zu sehen, größtenteils Stiftungen aus der Bevölkerung. Museumsleiter war damals der Lehrer Paul Schroeder.
 
 
 
 
Es war eine Sternstunde für das Kreis-Heimatmuseum, als sich das Haus der Erben Nies, Judenstraße 13 (ab 1933 Rathausstraße) als neues Domizil anbot. Am 18. Oktober 1929 konnte das Gebäude in der Nähe der Großen Marienkirche im Stadtzentrum seiner Bestimmung übergeben werden. Bereits zu Kriegsbeginn 1939 wurde das Museum geschlossen, ein Teil des Inventars ausgelagert. Doch obwohl Lippstadt von direkten Kriegseinwirkungen verschont blieb, wurden die Bestände während und gleich nach dem Krieg stark dezimiert. Ein weiteres Mal ist es besonders dem „Vater des Museums“, Carl Laumanns, zu verdanken, dass in Lippstadt im Oktober 1951 das Kreis-Heimatmuseum wieder eröffnet wurde. Neuer Museumsleiter wurde Kurt Becker, Maler von Beruf, in Düsseldorf 1913 geboren, 1995 in Lippstadt gestorben. Er diente dem Museum „mit Herz und Hand“ und begründete die jetzige Städtische Kunstsammlung. Von 1958 bis 1963 dauerte die gründliche, nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten vorgenommene Renovierung und Restaurierung des Hauses mit seinen herrlichen Stuckdecken.
 
 

 
 
Nachdem zwischenzeitlich durch die kommunale Neugliederung der Kreis Soest das Haus 1975 übernommen hatte, kam es 1980 als Heimatmuseum in städtische Hände und ist heute das
Stadtmuseum Lippstadt.